Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Im vierten Teil über den Marathon des Sables 2016 geht es um die lange Etappe beim Marathon des Sables. 84,3 Kilometer liegen vor uns. Heute gibt es die doppelte Portion für uns.

Die Strecke geht von Ba Hallou nach Hassi Tarfa. Der Start ist gesplittet. 08:15 Uhr für die „Normalos“, 11:15 Uhr für die Top 50-Läufer. Drei Stunden Vorsprung für uns. Das bedeutet, dass die schnellsten Läufer das Feld heute jagen und dadurch zumindest einen Tag den Spaß haben, den wir jeden Tag haben. Sie werden heute kaum festen Sand finden auf dem sie laufen können. Zumindest im ersten Teil der Strecke werden mehr als 900 Läufer vor ihnen die Strecke aufwühlen und die Bedingungen deutlich verschlechtern. Trotzdem werden die meisten der Top 50 Läufer das Feld zum Großteil aufrollen und auch überholen.
Ein doppelter Marathon steht heute auf dem Programm. Höchstens eine handvoll Läufer wird das Ziel bei Tageslicht erreichen. Alle anderen sind noch in der Nacht unterwegs, manche werden sogar bis morgen gegen Abend auf der Strecke sein. Der Spaß beginnt.

Auszug aus dem Roadbook - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Und täglich grüßt das Murmeltier

Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Es ist wieder Morgen, kurz vor 6 Uhr und schon wieder Zeit für eine Verabschiedung. Täglich grüßt das Murmeltier. Tilman ist der nächste aus unserem Zelt der uns verlässt. Obwohl oder vielleicht gerade weil er vor einigen Jahren den MDS schon mal gefinished hat, ist für ihn hier Schluss. Gestern Abend hat er entschieden, dass die lange Etappe dieses Jahr vielleicht eine Nummer zu groß für ihn ist und er deswegen nicht an den Start gehen wird. Eine Entscheidung, die sicher nicht leicht zu treffen war. Damit sind  beim Start der vierten Etappe nur noch 4 von 8 Startern aus unserem Zelt dabei.

Yallas neue Schuhe

Wir sind gerade alle beim Frühstück als die netten Herren schon wieder da sind, die jeden morgen die Zelte abbauen. Wir nennen sie „Yallas“. Sie fordern uns jeden Morgen mit freundlichen Yalla Yalla-Rufen dazu auf die Zelte oder die Teppiche für den Abbau frei zu machen. Yalla Yalla bedeutet in etwas so viel wie auf geht’s oder los jetzt.

Marokkanischer Helfer mit neuen Schuhen - Die lange Etappe beim Marathon des SablesEiner der jungen Marokkaner findet abseits von unserem Gepäck einen verwaisten, fast neuen Schuh, den Tilman hier gelassen hat, als er Richtung Bus aufgebrochen ist. Ein fragender Blick ob wir den Schuh noch brauchen oder ob er ihn mitnehmen darf. Ich versuche ihm, soweit ich das auf Französisch kann, zu erklären, dass irgendwo noch der zweite Schuh sein muss. Kurz danach hat er auch den gefunden. Er probiert die Schuhe an und sie passen ihm. Ab sofort werden sie seine Badelatschen ersetzen. Das Lächeln und die Freude in den  Augen des jungen Marokkaners ist für mich eine der schönsten Erinnerungen an den Marathon des Sables 2016.

„Nur noch“ 84,3 Kilometer bis ins Ziel

Business as everyday. Aus den Lautsprechern ertönt wieder Highway to hell und los geht’s. Der Rucksack ist heute schon spürbar leichter. Alles passt jetzt ohne Probleme rein.
Auf dieser Etappe werde ich endlich etwas neues sehen. Bis jetzt waren die Etappen alle genauso wie beim meinem ersten MDS 2014. Heute biegen wir bei km 30 von der Strecke, die ich kenne, ab. Ich bin gespannt.

Portrait von Pedestrian - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Bis zum Checkpoint 1 ist die Strecke gut zu laufen. Flach, unproblematisch. Relativ wenig Sand und nur sehr kleine Dünen. Die ersten Kilometer der langen Etappe sind kein Problem für mich.

30% Steigung ???

Bei Kilometer zehn ist Schluss mit lustig. Es geht in die heftigste Steigung der Woche. In der Wüste hätte ich so einen Anstieg wirklich nicht erwartet. Selbst auf meinen Trainingsstrecken in den Alpen müsste ich länger suchen um etwas vergleichbares zu finden. Das Geröll wird immer grober und die Steigung nimmt stetig zu. Im Roadbook steht etwas von 30% auf den letzten 500 Metern des Anstiegs. Brutal !

Bergauf im steinigen Geröll - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

In diesem Anstieg läuft keiner mehr. Überholen ist im zweiten Teil absolut unmöglich und so geht es im Gänsemarsch Richtung Gipfel des Jebel El Otfal. Immer wieder gibt es Stau. Wir müssen kurz stehen bleiben, bis es wieder vorwärts geht. Ab und zu kippt jemand nach hinten, wenn er keinen sicheren Tritt gefunden hat. Die nachfolgenden Läufer sorgen dann wieder für sicheren Stand. Heute ist teilweise Teamwork gefragt. Experimentierfreudige versuchen links vom Fels durch eine riesige Düne zu überholen. Keine Chance ! Die Steigung fordert schon auf dem ersten Teil der heutigen Etappe sehr viel Kraft. Im letzten Stück des Anstiegs sind sogar Seilsicherungen wie auf einem Klettersteig angelegt worden. Bin ich hier noch mitten in der Wüste oder irgendwo in den Alpen ??

30% Steigung an einem sandigen Berganstieg - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Endlich geht es über den Gipfel. Vorbei an den offiziellen Fotografen in eine Art felsigen Bachlauf und damit wieder bergab. Die nächsten Kilometer sind ziemlich technisch. Felsen, Stufen und grobes Geröll. Es gibt viele Varianten, wie man so etwas laufen kann. Jeder sucht sich seinen eigenen Weg. Nur nicht stürzen ! Die Kunst ist es, den optimalen Kompromiss aus Tempo und Sicherheit zu finden. Zu viel zu bremsen macht die Oberschenkelmuskulatur unnötig kaputt. Zu schnell und unvorsichtig zu laufen, führt schnell zum Sturz. Ohne Rucksack und mit frischen Beinen hätte ich hier Spaß. Heute ist es eher eine zwei Kilometer lange Quälerei.

bergab im steinigen Bachlauf - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Endlich wird es flacher und ich sehe wieder…. Dünen. Sogar die sind mir jetzt lieber als dieses ausgetrocknete Bachbett. Ich laufe etwas abseits der Ideallinie, die  die meisten Läufer gewählt haben und werde dafür belohnt. Ein Fennec, ein Wüstenfuchs mit riesigen Ohren taucht hinter einer Düne auf, ist aber so schnell wieder verschwunden, dass ich es nicht schaffe ein Foto von ihm zu machen.

Blick über die Dünen - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Als ob 84,3 Kilometer nicht schon genug wären hat sich der Veranstalter heute noch einen kleinen Spaß für uns ausgedacht. Bei Kilometer 12 können wir auf der rechten Seite das Ziel sehen. In etwa 8 Kilometer Entfernung ist das Camp schon weitgehend wieder aufgebaut. Das Problem ist nur, wir laufen in die andere Richtung. Das ist nicht gut für die Psyche. Bei Kilometer 15 kreuzen wir dann den Weg, den wir in einigen Stunden und mit 65 Kilometern mehr in den Beinen, Richtung Ziel laufen werden. Ich schiebe die negativen Gedanken weg und laufe weiter über eine große Ebene Richtung Checkpoint zwei. Der Boden ist fest und gut zu laufen. Die Beine noch ziemlich o.k. Weiter geht’s !

Oase mit Palmen - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Die Oase Mharech, ein Stück hinter dem zweiten Checkpoint, ist eine nette, bunte Abwechslung zu den Erdtönen von Sand und Felsen. Palmen, spielende Kinder, die uns mit einem Schlauch nassspritzen wollen. Es ist schade um das wertvolle Wasser. Scheinbar ist ihnen nicht bewusst, wie kostbar das Wasser hier ist.
Hinter der Oase geht es schon bald auf eine große Ebene. Einen ausgetrockneten See. Hier habe ich vor zwei Jahren sogar eine Windhose gesehen. Heute ist es nur heiß, sehr heiß und trocken. Die Senke zieht sich bis zum Horizont und der nächste Checkpoint kommt erst hinter der Hügelkette. Es wird immer wärmer.
Nur noch 50 Kilometer. Think positive !

Ausgetrockneter See - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Die nächste Steigung geht schnell von Fels in roten Sand über. Die Dünen bilden hier einen tollen Kontrast zum strahlend blauen Himmel. Ein Traum, wenn es nur nicht ganz so warm wäre. Mein Wasser wird schon wieder knapp. Es wird Zeit für den nächsten Checkpoint. Nur noch über die Kuppe – hoffentlich. Endlich kann ich  in der Ferne, die Jeeps am Checkpoint erkennen. Nur noch ein Stück bergab. Dann bin ich da. Das Wasser reicht aber viel weiter hätte es nicht sein müssen.

Endlich der Checkpoint - Heute gibt es die doppelte Portion

Die nächsten Kilometer sind flach , der Boden relativ fest, bevor es in einer langen sandigen Steigung wieder bergauf geht. Der Sand ist hier super weich und bietet kaum Widerstand. Um festeren Untergrund zu finden versuche ich ein Stück weiter rechts zu laufen. Wenn ich diese Linie weiter nehme, komme ich etwa 100m früher an die Felsen für den letzten Anstieg Richtung Kuppe. Leider wird daraus nichts. Ein übereifriger Ordner pfeift mich zurück. Warum ist mir nicht klar. Ich bin höchstens 100m neben der offiziellen Strecke. Diese Abweichung ist erlaubt. Zurücklaufen, um ihn zu fragen, will ich auch nicht. Vielleicht denkt er, dass ich mich verlaufe. Genervt suche ich einen möglichst direkten Weg Richtung der anderen Läufer.

Blick über ein sandiges weites Tal - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Die Landschaft ist auch hier wunderschön und der Blick über das Tal ein Traum. Priceless !
Kurz nach dem Gipfel treffe ich wieder Nadine und Semjon aus dem deutschen Team. Zur Abwechslung scheine ich heute schneller zu sein, als die beiden und kann sie ohne Probleme überholen. Mal sehen, wie lange das anhält. Wir haben uns die letzten Tage immer wieder gegenseitig überholt und es sind noch noch 40 Kilometer bis ins Ziel. Bis dahin kann noch viel passieren.
Jetzt liegt der schönste Downhill der Woche vor mir. Ein langes Gefälle hinunter im roten Sand. Traumhaft ! Mit einem breiten Grinsen komme ich unten an. I like !

Traumhafter Downhill im Sand - Die lange Etappe beim Marathon des SablesVor zwei Jahren hatte ich etwa hier kein Wasser mehr und danach, für den Rest der langen Etappe, mit den Folgen des Wassermangels zu kämpfen. Heute habe ich mich besser eingeteilt. Noch etwa einen Liter Wasser übrig und nur noch ca. zwei Kilometer bis zum Checkpoint. Dieses Jahr passt bis jetzt alles.

Time for a break

Heute gibt es die doppelte Portion Strecke. Deswegen habe ich am vierten Checkpoint eine Pause von 15 Minuten eingeplant. Normalerweise versuche ich in den Checkpoints nur Wasser aufzufüllen und direkt wieder weiterzulaufen. Diesmal ist es anders. Rucksack abziehen, in ein Zelt in den Schatten setzen und einen Riegel essen. Ein paar Minuten Pause tun gut, bevor es auf die letzten 40 Kilometer für heute geht.
Kurz vor dem Checkpoint haben mich die ersten zwei Läufer aus der schnellen Gruppe überholt. Sie sind die ersten 45 km drei Stunden schneller gelaufen als ich. Wirklich beeindruckend.  Die zwei Marokkaner sind so leichtfüssig an mir vorbeilaufen. Fast als wäre es Asphalt und kein Sand. Einen Grund kann ich direkt sehen. Der Führende, Rachid El Morabity wiegt schätzungsweise 15-20 kg weniger als ich.

Läufer in sandiger Ebene - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Nach meiner Pause bleibt die Strecke genauso traumhaft wie auf den letzten Kilometern. Das Licht verändert sich langsam und die Schatten werden länger. An den letzten Tagen war ich um diese Zeit schon längst im Ziel. Jetzt habe ich noch einige Stunden vor mir.
Ab dem Checkpoint habe ich das Glück, für einige Kilometer, alleine in dieser tollen Natur laufen zu können. Das sind die unbezahlbaren Momente beim Marathon des Sables.

Nachmittag in den Dünen - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Von Checkpoint zu Checkpoint

Kilometerlang geht es leicht abschüssig durch den Sand bevor wieder kleine Dünen kommen. Die Atmosphäre, mit der sinkenden Sonne, gefällt mir immer besser. Das Gefühl in meinen Beinen dagegen weniger. Die gelaufenen Kilometer machen sich jetzt bemerkbar.  Der nächste Checkpoint lässt wieder auf sich warten und will einfach nicht in Sichtweite kommen. Wieder eine Steigung. Die wievielte eigentlich ? Egal. Hoch muss ich sowieso. Kurz vor dem Checkpoint sind auch Nadine und Semjon wieder da. Auf dem Weg in den Checkpoint übersehe ich eine Absperrung und werde wieder zurückgepfiffen. Irgendwie bin ich platt und unkonzentriert. Netterweise hat hier jemand einige Liegestühle für uns hingestellt.

Verlockende Liegestühle - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Verlockend, wirklich sehr verlockend aber ich muss weiter. Ich will weiter und schlurfe den nächsten Anstieg hoch. Puh, das ging schon mal besser. Im nächsten Gefälle und in dem folgenden Tal Sand. Zwar keine Dünen aber weicher Sand. Immer nur Sand. Das macht die Sache nicht besser.
Die Sonne sinkt immer weiter. Am Checkpoint habe ich mir Wasser über den Kopf geschüttet. Mein Shirt ist nass. In der Sonne ist das perfekt. Im Schatten wird es jetzt sofort kalt. Das war nicht so clever. Eine Erkältung kann ich die nächsten Tage absolut nicht brauchen.
Ab und zu überholt mich ein Läufer aus der Top 50 Gruppe sonst ist es sehr ruhig geworden. Ab und zu gehe ich ein Stück. Nachdem es wieder einige Zeit über Geröll geht, liegt eine weite Ebene vor mir. Leider immer noch nicht die Ebene die ich von heute morgen kenne. Trotzdem, Checkpoint 6 ist jetzt nicht mehr weit. Dort bekomme ich dann einen Leuchtstab, damit ich im Dunkeln auch zu sehen bin. Dieser Leuchtstab wird am Rucksack festgemacht. Bis zum Checkpoint will ich noch ohne Lampe laufen, wenn es irgendwie geht.

Sonnenuntergang über einem ausgetrockneten See - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Vermutlich ist auch diese Ebene ein ausgetrockneter See. Irgendwann verschwinden die kleinen Büsche, die hier und da stehen und es geht wieder durch, gut zu laufendes, Geröll.
Den Checkpoint kann ich jetzt schon sehen. Das liegt daran, dass er beleuchtet ist. Die letzten zwei oder drei Kilometer laufe ich, bei fast völliger Dunkelheit, in Richtung der Lampen des Checkpoints. Den Untergrund kann ich kaum noch erkennen aber irgendwie geht es und ist mir immer noch angenehmer als mit Lampe zu laufen.

Es ist Nacht geworden

Heute gibt es die doppelte Portion. Nicht nur an Kilometern, sondern auch an Checkpoints.
Überraschenderweise gibt es doch keinen Leuchtstab. Sie haben keine. Aha. Hat die ansonsten tolle Organisation doch kleine Schwachstellen. Ich brauchen keinen Leuchtstab aber meine Stirnlampe muss ich ich jetzt wirklich rausholen. Ohne Licht geht nichts mehr. Es ist Nacht geworden in der Wüste.
Noch 19 Kilometer, wenn die Anzeige auf meiner  Uhr nicht lügt. Die Streckenmarkierungen sind jetzt nur noch kleine leuchtende Punkte vor mir. Alles wirkt surreal. Durch den Schein meiner Lampe kann ich nur einen kleinen Bereich um mich herum gut erkennen. Alles andere besteht nur noch aus Schatten und einzelnen Lichtpunkten. Um die Markierungen klar sehen zu können muss ich ab und zu meine Stirnlampe ausschalten. Verlaufen will ich mich auf keinen Fall.
Nachdem ich wieder ein Stück durch sandiges Gelände gelaufen bin geht es leicht bergauf. In der Dunkelheit versuche ich meistens direkt die Luftlinie zu den leuchtenden Markierungen zu nehmen. Vielleicht gibt es teilweise einen einfacheren Weg aber ich sehe einfach zu wenig. Ab und zu laufe ich über so etwas ähnliches wie Wege. Vielleicht würden sie zu den Markierungen führen oder eben auch nicht. Wenn ich mir nicht sicher bin laufe ich vorsichtshalber lieber direkt durch Sand und Geröll weiter in Richtung des Tizi n’Guidou Pass. Nochmal geht es im Sand bergauf. Plötzlich taucht ein unbeleuchteter Jeep vor mir aus der Dunkelheit auf. Ein Streckenposten. Man passt auch jetzt auf uns auf. Gut zu wissen.
Das letzte Stück bis zum Checkpoint geht es nochmal über einen sandigen Weg.
Meine Beine sind müde….

Herzlicher Empfang

Endlich der letzte Checkpoint für heute. Jetzt bin ich sicher, dass ich es bis ins Ziel schaffe. Ich lasse meine Wasserkarte noch einmal lochen, nehme mir die letzte Flasche für heute als plötzlich einer der Volunteers mit einem breiten Grinsen auf mich zustürmt. „Du hast das super gemacht, ganz klasse. Du schaffst den Rest auch noch !“ Das tut jetzt wirklich gut. Das breite Grinsen gehört zu Walla. Er ist einer der freiwilligen Helfer, aus Frankreich, die sich jeden Tag um uns kümmern, uns auf der Strecke mit Wasser versorgen und auch motivieren. Danke !!!
Nadine und Semjon sind auch schon wieder da. Wenn ich eine Chance haben will, heute vor ihnen im Ziel anzukommen, dann darf ich jetzt keine Pause machen. Also direkt weiter auf die letzten 10 Kilometer.
Das Roadbook ließ schon vermuten, dass das letzte Stück nicht wirklich spannend werden würde. So sieht leider auch die Realität aus. Wobei, sehen kann ich nicht mehr viel. Auf einer Art Fahrweg geht es nur noch schnurgerade Richtung  Ziel. Der Untergrund ist wieder weitgehend fest und damit, zum Glück, gut zu laufen. Die Beleuchtung des Zielbogens kann ich seit dem Checkpoint schon sehen. Die letzten zehn Kilometer sind jetzt nur noch Kopfsache.

Nachtportrait Pedestrian - Die lange Etappe beim Marathon des Sables

Die Stirnlampen hinter mir sind in sicherem Abstand. Wenn ich nicht noch einen unerwarteten Einbruch bekomme dürfte mich niemand mehr einholen. Mit der Einschätzung soll ich mich täuschen. Relativ schnell taucht ein Läufer aus den Top 50, aus dem Dunkel, auf und ist genauso schnell, in Richtung Ziel, verschwunden. Ich bin wieder alleine, überhole auch noch einen oder zwei Läufer. Nur noch 4 Kilometer.
Vor mir kann ich eine weitere Stirnlampe erkennen und laufe auf eine Läuferin auf. Zu meiner Überraschung ist es wieder Isis aus Mexiko. Wir sind die letzten Tage häufig, fast gleich schnell unterwegs gewesen. Heute habe ich sie 83 Kilometer nicht gesehen und überhole sie doch noch auf dem letzten Kilometer.
Meine Kraft reicht sogar noch um dynamisch und fast wie ein Läufer, die letzten 300 Meter und bis über die Ziellinie zu laufen.

Ein hartes Stück Arbeit

Ich bin k.o. aber habe es geschafft. 13:59 Stunden für 84 Kilometer. Zuhause würde ich lachen über die Durchschnittsgeschwindigkeit. Heute bin ich zufrieden. Das war ein hartes Stück Arbeit. Dieser ewige Sand ist doch etwas anderes als Waldwege in Deutschland.
Es ist 22:15 Uhr. Dadurch, dass ich jetzt schon im Ziel bin habe ich morgen komplett frei. Die Etappe ist auf 2 Tage angesetzt. Manche der anderen Läufer werden erst in 19 Stunden im Ziel ankommen. Ich beneide sie nicht. Für mich sind das die wahren Helden. Ich will kein Held sein. Schlafen ist mir lieber.

Immer dieser Udo

Heute ist Udo schon da als ich ins Zelt komme. Nachdem was ich die letzten Tage von ihm gesehen habe, war damit fast zu rechnen. Die ersten beiden Tage war er noch minimal langsamer als ich. Jeden Tag ist er schneller geworden. Gestern war er dann zum ersten Mal vor mir im Ziel und heute…. ? Heute war er auf der 84 Kilometer Etappe 2 Stunden schneller als ich. Hut ab. Wenn er so weiter macht, läuft er noch in die Top 50 der Gesamtwertung.
Wenigstens spürt Udo die Etappe heute auch. Die lange Etappe beim Marathon des Sables war  hart. Auch für ihn.  Er merkt seine Beine heute deutlich und kann deswegen nicht gleich einschlafen. Da haben wir was gemeinsam. Meine Beine rebellieren auch. Knapp 1000 Höhenmeter gab es heute, als Bonus, zu den 84 Kilometern. Den Großteil der Höhenmeter davon  im Sand. Das sind die Muskeln nicht gewohnt. Wir nehmen beide eine Mineralmischung ein um die Regeneration zu beschleunigen und Krämpfe zu vermeiden.
Ich würde jetzt gerne schlafen, wenn ich könnte….

 

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