Die Marathonetappe beim Marathon des Sables

Teil VI über den Marathon des Sables 2016. Der vorletzte Tag, die letzte echte Etappe. Heute steht die Marathonetappe beim Marathon des Sables an. Nochmal 42 Kilometer, dann ist es schon fast wieder vorbei. Morgen kommt “nur” noch die UNICEF-Etappe. Diese Etappe hat aber keinen Wettkampfcharakter mehr.

Von Hassi Tarfa nach Bou Makhlouf

Heute gibt es wieder zwei Startgruppen. Diesmal darf ich in Gruppe zwei starten und bin damit auch bei den “Jägern”. Wir starten zwar 1 1/2 Stunden später und finden deswegen fast nur noch aufgewühlten Sand, können aber das Feld von hinten aufrollen. Für die Läufer der ersten Gruppe bedeutet das, dass sie heute etwas mehr Gesellschaft haben. Zumindest die Schnelleren aus der zweiten Startgruppe werden einen Großteil der Läufer der ersten Gruppe überholen. Mehr Motivation für beide Gruppen. Eine Win-Win Situation und eine ganz andere Atmosphäre als auf den anderen Etappen.

Wieder in die Dünen

Kurz nach dem Start begleitet uns der Hubschrauber wieder in die Dünen. Vom Gefühl her geht es diesmal deutlich früher zur Sache. Es geht zum letzten Mal um die Platzierungen in der Gesamtwertung. Dementsprechend flott geht es in das erste Dünenfeld. Manche wollen ihren Platz sichern andere wollen noch ein paar Plätze gut machen. Yalla Yalla !

Die Marathonetappe beim Marathon des Sables - DünenimpressionWie an einer Perlenkette geht es über die Ideallinie der Dünen. Keine unnötigen Umwege zu laufen und trotzdem festen Sand zu finden, das ist die Kunst. In den Dünen taucht seit dem ersten Tag immer wieder ein kleiner Buggy in unserer Nähe auf. Auch hier sind die Doc Trotters unterwegs um dafür zu sorgen, dass wir bei echten Problemen sofort ärztliche Unterstützung bekommen. Das ist beim MDS wirklich ein beruhigendes Gefühl. Bei anderen Etappenläufen sind es oft nur wenige Sanitäter oder Ärzte, die noch in der Ausbildung sind.

Die Marathonetappe beim Marathon des Sables - BegleitbuggyDas Dünenfeld geht über in eine endlose Schotterebene und wir sehen schon die ersten Läufer aus der frühen Startgruppe. Der Untergrund ist wieder super zu laufen und die Positionskämpfe gehen weiter. Die Temperatur steigt heute schon sehr früh an und wir sind noch vor Checkpoint eins.  Das kann lustig werden.
Nach der Einsamkeit auf dem zweiten Teil der langen Etappe fühlt es sich heute fast wie ein Volkslauf an. Überall andere Läufer aus beiden Startgruppen. Die Marathonetappe beim Marathon des Sables hat ihren ganz eigenen Charakter. Nur noch knapp 30 Kilometer bis ins Ziel.

Die Marathonetappe beim Marathon des Sables - unterwegsEndlich kommt der erste Checkpoint in Sicht. Es geht eine langgezogene relative flache Steigung hinauf. Alles gut. Das Wasser reicht mal wieder gerade so. Viele nutzen den Schatten an den Autos um sich etwas zu erholen. An den Jeeps des Checkpoints ist eine Art Vorzelt angebaut um wenigstens etwas Schatten zu spenden. Bäume gibt es weit und breit keine. Man könnte meinen, dass wir in der Wüste sind ;-).
Nach dem Checkpoint lerne ich wie nervig meine Trinkflaschen sein können. Dummerweise habe ich diesmal eine komplette Mineraltablette in die Flasche. Das war definitiv zu viel. Die Flasche hat Überdruck. Bei jedem zweiten Schritt spuckt sie Wasser aus. Wasser, das ich brauche. Außerdem ist es extrem nervig, ständig von seiner Trinkflasche angespuckt zu werden. Der Versuch den Druck abzulassen gelingt auch nur bedingt, da die Tablette sich immer noch auflöst und neue Gase erzeugt. Auf den nächsten 100 oder 200 Metern werde ich weiter von meiner Flasche angespuckt. Super Sache. Das hat mir gerade noch gefehlt als Motivation.

Etwas später treffe ich Markus aus der Schweiz. Wir kennen uns schon vom MDS 2014. Nach Problemen bei seiner ersten Teilnahme ist er jetzt schon zum dritten Mal dabei. Mit optimiertem Körper- und Rucksackgewicht und neuer Frisur. Ich vermute mal, es wird nicht seine letzte Teilnahme sein.

Die Marathonetappe beim Marathon des Sables - Markus aus der Schweiz

Walla ist auch wieder da

Am letzten Checkpoint auf der langen Etappe hatte mich Walla , einer der Volunteers, schon mit seiner lustigen Art für die letzten Kilometer motiviert. Heute ist er am letzten Checkpoint auf der Marathonetappe wieder da. Und feuert mich an. Cooler Typ. Auch solche Leute machen den Marathon des Sables so besonders.

Die Etappe heute ist neu im Programm des MDS und wurde so noch nie gelaufen. Sie ist wirklich schön aber sehr sandig und sie zieht sich. Meine Euphorie und mein Power vom Start der Etappe haben sich mittlerweile etwas verflüchtigt. Ich bin deutlich langsamer geworden und muss mich zwingen um noch zu laufen. Nur noch wenige Kilometer. Endlich sind die Dünen vorbei. Das Camp kann ich schon sehen. Das geht noch irgendwie. Der Boden ist wieder fest und ich kann einige Läufer überholen.

40 Grad und wieder dieser Sven

Ich fühle mich wieder besser obwohl es brutal warm geworden ist. Meine Uhr zeigt zum ersten mal 40, ja vierzig Grad an. Das hatten wir dieses Jahr zum Glück noch nicht. Nur noch drei Kilometer. Das schaffe ich.
Ein gelbes Trikot und ein Gruß. Sven aus Österreich ist plötzlich da. Wieder mal kurz vor dem Ziel. Er hat mich schon dreimal auf den letzten Kilometern überholt. Ich versuche mich dranzuhängen und mitzulaufen. Keine Chance. Er ist mir heute wieder zu schnell und hat sich definitiv besser eingeteilt als ich. Ich muss wieder meinen Rythmus finden und die letzten Kilometer über die Schotterebene in meinem Tempo laufen.

Die Marathonetappe beim Marathon des Sables - Zielgerade

Die Marathonetappe beim Marathon des Sables geschafft. Ich bin im Ziel.

Es ist vollbracht. Der Marathon heute war hart. 42 Kilometer bei Bullenhitze. Die Strecke und die Landschaft waren wieder ein Traum.
Ich habe hinten raus stark nachgelassen aber bin nicht total eingebrochen. Als Belohnung habe ich es dafür nochmal vor Udo ins Ziel geschafft. Auch das ist der Marathon des Sables. Die Reihenfolge des Zieleinlaufs ändert sich öfter mal. Ich war auf drei Etappen vor Udo im Ziel. Trotzdem wird er in der Gesamtwertung einige Stunden und etwa 50 Plätze vor mir landen. Das hat er sich mit seiner tollen Leistung, vor allem auf der langen Etappe, wirklich verdient.

Die Marathonetappe beim Marathon des Sables - Udo im ZielIm Ziel gibt es wieder den guten süßen Tee, den ich heute wirklich vertragen kann. Da es die letzte Etappe mit Zeitmessung war habe ich keine Hemmungen mir einen zweiten Minibecher zu ergaunern. Normalerweise würde ich das nicht machen aber wir sind im Ziel. Schluss mit Fairplay. Morgen gibt es keine Zeitmessung und damit verschaffe ich mir keinen unfairen Vorteil gegenüber den anderen Läufern. Das musste jetzt sein. Und geschmeckt hat er auch.

Viele Emotionen und glückliche Gesichter

Nach und nach kommen die anderen Läuferinnen und Läufer ins Ziel. Es ist eine ganz andere Stimmung heute. Strahlende Gesichter. Von Gefühlen übermannte Männer. Glückstränen, Umarmungen. Die meisten von uns werden diesen Moment in ihrem Leben nicht mehr vergessen. Wir haben es geschafft. Sicher gibt es morgen noch die UNICEF Etappe aber die ist eher ein Schaulaufen. Wir müssen nur noch ins Ziel kommen. Die Zeit und das Tempo sind egal.
Trotzdem heißt es jetzt nochmal regenerieren und das Gefühl genießen, es geschafft zu haben.
Hunger macht sich breit im Camp. Die meisten von uns sind dabei die letzten Reserven aufzubrauchen. Sich richtig satt zu essen wäre mal wieder ein Sache.
Als Belohnung für die Mühe der Woche bekommen wir noch einen tollen Sonnenuntergang.
Eine letzte Nacht in der Wüste haben wir noch. Morgen endet das Abenteuer Marathon des Sables 2016 schon wieder.
Die Marathonetappe beim Marathon des Sables - Sonnuntergang

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Zum Teil IV über den Marathon des Sables 2016 “Die lange Etappe beim Marathon des Sables” geht es hier.

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