Ein Kilo weniger Ballast beim Marathon des Sables. So geht’s !

Meine bisherigen Teilnahmen an mehreren Etappenläufen haben ich mich immer wieder dazu gezwungen, mich mit meiner Ausrüstung und damit auch mit meiner Packliste zu beschäftigen.
Die Ausrüstung habe ich für beide Teilnahmen beim Marathon des Sables (Link zu meinem ersten Artikel über den MDS) und auch beim Grand2Grand Ultra in den USA (Link zu meinem Artikel über den G2G Ultra) wieder optmiert. Einerseits macht es Spaß zu tüfteln und zu optimieren. Andererseits kann man Unmengen an Zeit damit verschwenden um zu recherchieren, zu optimieren und die Ausrüstung immer wieder zu wiegen.

Weniger Ballast beim Marathon des Sables - ipod auf Waage - pedestrian.deMein Ziel war es dabei immer so wenig Ausrüstung wie möglich durch die Wüste zu schleppen. Am Anfang war die Erfahrung gering und das Sicherheitsdenken sehr hoch. Lieber hier und da noch etwas mehr eipacken es könnte ja sein, dass ich es irgendwann brauche. (Ist das eigentlich eine deutsche Eigenschaft ? 😉

Das Ziel weniger Ballast beim Marathon des Sables

Ein Kilo weniger Ballast beim Marathon des Sables schleppen zu müssen hat mich schon öfter angetrieben, die Liste nochmal durchzugehen. Immer wieder habe ich optimiert. Jedes Gramm Zusatzgewicht macht mich schließlich langsamer. Aus der ersten Version der Packliste wurde letztes Jahr „Meine optimale Packliste für Wüsten- und Etappenläufe mit Gewichtsangaben“.
Trotz der Bezeichnung war mir damals schon klar, dass auch diese Liste nicht endgültig ist und von mir sicher noch weiter verbessert werden kann und wird.
In den letzten Jahren wurde mir außerdem von anderen Läufern immer wieder die Frage gestellt ,was würdest du beim nächsten Start anders machen? Wie würdest du dein Equipment, mit der Erfahrung die du mittlerweile hast, verändern ? Also habe ich mich nochmal hingesetzt und mir wieder Gedanken gemacht, wo ich noch weiteres Gewicht einsparen kann. Wie ich noch das eine oder andere Gramm herauskitzeln kann. Nochmal ein Kilogramm weniger Ballast beim Marathon des Sables wäre doch was.
Um es kurz zu machen, ich habe es auch diesmal wieder geschafft. Hier die einzelnen Schritte, wie es geklappt hat.

Schlafsack (200 Gramm weniger)

Bei meinen beiden bisherigen Teilnahmen beim MDS war ich mit meinem leichten Cumulus Lite Line Daunenschlafsack mit einem Gewicht von 535 Gramm super zufrieden und habe den Kauf nicht bereut. Die Wärmeleistung ist top, der Schlafsack super komprimierbar und der Preis mit 189.-€ für diese Qualität absolut fair.
Trotzdem würde ich ihn bei der nächsten Teilnahme austauschen. Warum ?
Weil der Cumulus X-Lite 200 die gleiche Wärmeleistung hat aber auf die Kapuze und den Zipper verzichtet und damit ganze 200 Gramm leichter ist. Die Kapuze kann ich bei Bedarf durch einen oder 2 Buffs ersetzen, die ich sowieso dabei habe.
Sollte es im Schlafsack wirklich mal zu kalt werden, kann ich zusätzlich die Windjacke (bzw. die Daunenjacke), die ich für die Stunden im Camp dabei habe, anziehen, dann sollte es auf jeden Fall warm genug sein.
Wer etwas mehr Komfort möchte kann nochmal 50 Gramm Gewicht spendieren und hat dann mit dem X-Lite 200 Zip die komfortable super leichte Lösung mit Reißverschluss.

Isomatte (130 Gramm weniger)

Als Isomatte habe ich aufgrund ihrer Robustheit, des Gewichts und der relativ geringen Kosten die Thermarest Z-lite gewählt. Die Matte ist ähnlich aufgebaut wie ein Eierkarton und ist durch diese Bauart überraschend bequem für ihre geringe Dicke. Außerdem ist sie unempfindlich gegen stachelige Wüstenpflanzen und Steine und im Gegensatz zur Thermarest NeoAir fast geräuschlos bei der Benutzung. Man weckt also nicht das halbe Zelt auf, wenn man sich umdreht.
Die 130 Gramm habe ich eingespart in dem ich meine Isomatte mit einer Schere gekürzt habe. Deine Matte muss nur so lang sein, dass sie von der Schulter bis knapp unter die Knie reicht. Der Kopf liegt sowieso auf deiner Jacke oder dem Rucksack. Deine Unterschenkel brauchen nicht wirklich eine Matte. Du hast ja noch den Zeltteppich unter dem Schlafsack. Schmäler geschnitten habe ich die Matte nicht, da mir diese 20 Gramm zusätzliche Gewichtseinsparung den Komfortverlust, den eine schmälere Matte mit sich bringen würde,nicht wert sind.

Kocher & Topf (ca. 150 Gramm weniger)

In meiner aktuellen Packliste wiegt der Kocher aus Titan 57 Gramm,  den Spirituseinsatz habe ich nicht mit in die Wüste genommen. Der Topf mit Deckel (ebenfalls aus Titan) 89 Gramm. Für mich das Optimum aus Gewicht und Nutzen.
Beim MDS 2016 hat mir Udo, aus unserem Zelt gezeigt, dass sich auch hier noch Gewicht einsparen lässt, wenn mn kreativ ist. Er hat seine Trekkingmahlzeiten immer mit Wasser in eine kleine Plastiktüte gepackt und diese dann einfach eine Stunde in der Sonne liegen lassen, bevor er sie gegessen hat. Gekocht war das Essen dann nicht wirklich aber heiß genug und scheinbar essbar. Er hat es mit dieser Methode durch alle Etappen bis ins Ziel geschafft. Diese Art der Essenszubereitung ist sicher nicht für jeden etwas, zeigt aber auch hier gibt es Potenzial um noch ein paar Gramm zu sparen.
Zu den 150 Gramm kommt eventuell noch die gleiche Einsparung an Esbit. Da nicht gekocht wird, fällt auch der Brennstoff weg.

Camp Schuhe (80 Gramm weniger)

Wie bitte soll man bei Flip Flops noch 80 Gramm einsparen ? Ich habe sowieso schon die leichtesten Exemplare gekauft, die ich finden konnte.
Es geht. Ich habe es beim MDS gesehen. Die Lösung ist, dir die leichtesten Schuheinlagen zu suchen, die du in deinen (alten) Laufschuhen noch hast. Nimm diese Einlagen, mache dir jeweils drei Löcher in jede Einlage und mache dir mit Schnürsenkeln deine eigenen Campschuhe. Die Schnürsenkel werden dazu einfach wie die Riemen bei Flip Flops geknotet und unterhalb der Löcher mit einem doppelten Knoten (und evtl. Einer Unterlegscheibe) fixiert.

Ein Kilo weniger Ballast beim Marathon des Sables - Campschuhe selbstgemacht - pedestrian.de
Extremvariante: Du kannst die Campschuhe auch komplett weglassen. Dann musst du aber zur Toilette und den DocTrotters auch deine Laufschuhe anziehen. Egal, wie dein Füße aussehen.

Rucksack (ca. 200 Gramm weniger)

Nach einem wenig erfolgreichen Test mit dem Rucksack eines anderen Herstellers bin ich vor meinem ersten MDS beim Hersteller  WAA gelandet. Der Rucksack meiner Wahl ist der Ultrabag. Er ist leicht, mit 20 Litern groß genug, damit alles hineinpasst und wirklich stabil. Ich nutze ihn mit der mitgelieferten Innentasche, die eingeklickt werden kann und in der ich meine Verpflegung für die Woche fixiere. Außerdem benutze ich die Fronttasche als Gegengewicht zum Rucksack, als Halter für die 1,5 Liter Flasche und als Stauraum für alles, was ich tagsüber auf der Etappe benötige.

Ein Kilo weniger Ballast beim Marathon des Sables. - Ultrabag 20 WAA - pedestrian.deAlles weitere, was mit dem Rucksack mitgeliefert wird benutze ich nicht. Die Flaschen habe ich übrigens durch Raidlight Flaschen ersetzt, da die Originalflaschen nicht dicht sind und dir damit bei so einem Rennen den letzten Nerv rauben können. Ich weiß aus eigener Erfahrung wovon ich rede. Mit den neuen Flaschen bin ich jetzt super zufrieden. Ich verstehe nicht warum WAA bei einem so guten Rucksack überhaupt solche Flaschen mitliefert.
Eine Menge Gewicht lässt sich beim Rucksack im ersten Schritt schon einsparen, wenn du die Zusatztaschen, den Stirnriemen, die Regenhülle und das zweite Paar Flaschenhalter, die mitgeliefert werden, gar nicht erst benutzt und gleich zuhause lässt. Ich denke, das machen die meisten von uns sowieso schon so. Wenn nicht kannst du hier leicht einsparen um deutlich weniger Ballast beim Marathon des Sables dabei zu haben.

Alles weglassen was nicht nötig ist

Wie habe ich beim Rucksack zusätzlich noch ca. weitere 200 Gramm eingespart ?
Ich habe das Rückenpolster aus seinem Fach entfernt und durch meine Flip Flops ersetzt. Alle Riemen auf die benötigte Länge (+ 5cm Puffer) gekürzt. Wenn Verstärkungen doppelt waren habe ich sie weggeschnitten. Außerdem die Raketenhalterung (braucht man beim MDS wegen GPS-Tracking nicht mehr) und alle nicht benötigen Riemchen, Halterungen usw. abgeschnitten. Das Klettband um Dinge unten am Rucksack zu fixieren brauche ich ebenfalls nicht. Meine Matte kommt immer oben auf den Rucksack unter den Klick-Verschluss. Sitzt damit bombenfest und benötigt keine zusätzliche extra Halterung. Alles andere, was ich dabei habe, muss in den Rucksack und die Fronttasche passen sonst habe ich sowieso zu viel Gepäck dabei.

Daunenjacke (300 Gramm weniger)

In meiner aktuellen Packliste habe ich zwei Jacken. Beide Male beim MDS hatte ich zwei Jacken dabei. Habe ich sie gebraucht ? Würde ich es wieder so machen? JEIN.
Das WAA Ultra Jacket ist eine Windjacke mit überraschend guter Wärmeleistung und Wasserdichtigkeit und hat die Salomonjacke aus meiner Packliste ersetzt, da sie 180 Gramm leichter ist. Gesamtgewicht weniger als 90 Gramm, winddicht und weitgehend wasserdicht. Diese Jacke ist top für den MDS und ich würde nicht mehr auf sie verzichten wollen. Meine zweite Jacke ist eine sehr leichte Daunenjacke, ähnlich dieser hier von Northface, die ca. 300 Gramm wiegt und multifunktional ist. (meine Jacke ist nicht mehr lieferbar). Die Daunenjacke wärmt morgens und abends im Camp falls es kühl sein sollte. Sie ist mein Kopfkissen und sie würde mich, sollte es im Schlafsack nachts zu kalt werden, retten.
Habe ich sie bei meinen beiden Teilnahmen wirklich gebraucht? Nicht unbedingt. Es war nie so kalt, dass die Windjacke mit einem langen Shirt nicht irgendwie gereicht hätte. Als Kissen hätte ich evtl. auch den Rucksack nehmen können. Wenn es nachts zu kalt geworden wäre hätte ich die Rettungsdecke als Notreserve gehabt. Ich war happy mit meiner Daunenjacke aber sie ist definitiv ein Punkt an dem man ansetzen kann, wenn man noch ein paar Gramm Gewicht einsparen will.

Mehr als ein Kilo weniger Ballast beim Marathon des Sables.

Du siehst, wenn du auf weiteren Komfort während der Woche in der Wüste verzichten kannst lässt sich, ausgehend von meiner optimalen Packliste, zusätzlich mehr als ein Kilogramm einsparen.
Es geht aber immer noch mehr. Du kannst z.B. auch die Isomatte komplett weglassen. Habe ich schon bei Läufern in der Wüste gesehen. Ist weniger bequem, würde dann aber nochmal 300 Gramm und in Summe jetzt sogar schon 1,5 Kilogramm Einsparung bringen.
Sei kreativ und überlege dir wie viel Gewicht dir dein Komfort wert ist und auf was du zu verzichten bereit bist. Am leichtesten lässt sich Gewicht sparen, wenn du Dinge erst gar nicht mintnimmst. Überlege dir bei jedem Teil ob du es wirklich brauchst und auch benutzen wirst.
Du solltest auf jeden Fall nachts gut schlafen können ohne zu frieren und wegen Rückenschmerzen dauernd wach zu werden. Denn dann würden die paar Gramm Einsparung sicher weniger bringen als dich der schlechte Schlaf an Zeit auf der Strecke kosten würde.

 

Du hast auch noch Ideen, wie man die Ausrüstung noch leichter machen könnte?
Oder habe ich was vergessen, was du als essentiell ansiehst? Dann würde ich mich freuen, wenn du mir unten einen Kommentar hinterlässt.

 

Weltreise, Sabbatical und mehr auf meinem neuen Blog: movelimits.de

Nachdem ich 5 Monate auf Weltreise war haben sich auch viele Eindrücke und Erlebnisse abseits der schönsten Trails der Welt bei mir angesammelt. Artikel, Fotos und Videos zu Weltreise und Sabbatical findest du auf meinem neuen Blog: MOVELIMITS.DE
Dort wird es zukünftig auch um Themen der Persönlichkeitsentwicklung gehen.

 

 

 

 

 

Diese Artikel enthält teilweise Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links den beschriebenen Artikel kaufst, erhalte ich eine kleine Provision über die der Betrieb dieser Webseite finanziert wird. Das jeweilige Produkt wird für dich damit aber natürlich nicht teurer.
Auf meine ehrliche Meinung zu den Produkten hat das keinen Einfluss.

One thought on “Ein Kilo weniger Ballast beim Marathon des Sables. So geht’s !

  1. Pingback: Gewicht einsparen - Ultralaufen

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Please type the characters of this captcha image in the input box

Please type the characters of this captcha image in the input box