Matterhorn Ultraks K46 (Zermatt / Schweiz)

Auf nach Zermatt

Letzten Samstag war es soweit. Zeit für den letzten Vorbereitungswettkampf vor meinem USA-Abenteuer.Bildschirmfoto 2015-08-26 um 15.41.20 Schauplatz sollte Zermatt im Kanton Wallis sein. Mir war schon vorher klar, dass es eine lange Anreise in die Schweiz werden würde aber über 500km und knapp 7 Stunden Fahrzeit war dann doch mehr als mir lieb war.
Von München ging es mit dem Auto vorbei am Bodensee, über den Gotthardpass und Nufenenpass bis nach Täsch, dem letzten Ort vor Zermatt. Da Zermatt komplett autofrei ist kommt man ab Täsch nur noch mit dem Pendelzug weiter. In Zermatt selbst gibt es nur  Elektrotaxis und Fahrräder. Selbst die Polizei und die Müllabfuhr fahren dort mit Strom und abgasfrei.

Matterhorn – 150. Jubiläum der Erstbesteigung

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Zermatt selbst ist ein sehr touristischer Ort. Private Häuser sind im vorderen Teil gar nicht zu erkennen.
Obwohl der Matterhorn Ultraks am Wochenende über 2000 Starter mit Begleitpersonen in den Ort gelockt hat waren sehr viele der Pensionen und Ferienhäuser geschlossen. Im Winter scheinen deutlich mehr Besucher hier zu sein.
Außer dem sehr schönen historischen Teil hat Zermatt eine traumhafte Umgebung zu bieten. Die umliegenden Berge sind sehr gut mit Seil- und Zahnradbahnen erschlossen und man hat fast überall einen Blick auf das Matterhorn.
Das Matterhorn mit seinen 4478m ist das Wahrzeichen von Zermatt und findet sich im ganzen Ort auf den Logos von Bergbahnen, Handwerkern, Stadtverwaltung und Souvenirs wieder.
2015 jährt sich die Erstbesteigung des Matterhorns zum 150. mal. Außer speziellen Veranstaltungen und Ausstellungen zu diesem Anlass wird auch die Erstbesteigungsroute abends illuminiert.

Gornergrat

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Mit das schönste Panorama Richtung Matterhorn hat man vom Gornergrat. Der Gornergrat ist ein Felsrücken zwischen dem Gornergletscher und dem Findelgletscher mit einer Höhe von 3.135 Metern. Von der Bergstation der Gornergratbahn hat man (bei gutem Wetter) einen beeindruckenden Blick auf über 20 Viertausender und einige Gletscher.
Das sind sicher einige Gründe warum die 1898 eröffnete Zahnradbahn jährlich mehr als 750.000 Besucher aus allen Teilen der Welt zu diesem Aussichtspunkt bringt. Vor allem bei Europatouren von Asiaten ist der Gornergrat Pflichtprogramm.
Die Gornergrat-Bahn war die erste elektrisch betriebene Zahnradbahn und wurde früher über ein Wasserkraftwerk angetrieben. Sie überwindet auf den 9 Kilometern Fahrtstrecke vom Bahnhof in Zermatt 1469 Höhenmeter und benötigt dafür 33 Minuten.
Eine Zeit die ich bei meinem Lauf nicht unterbieten sollte….

Matterhorn Ultraks: 46km / 3800 Höhenmeter – eigentlich…

Der Wettergott meinte es gut mit uns. Bei idealen Bedingungen startete ich um 07:30 mit ca. 800 weiteren Läufen und Läuferinnen. Die Strecke führt aus dem Ort von 1600 Metern auf schmalen Wegen direkt Richtung des ersten Gipfels “Sunnegga” auf 2288 Metern. Leider gab es direkt Rückstau und wir durften warten, dass es wieder weitergeht. In einem Wettkampf ist das sehr nervig aber wenn man sich in Erinnerung ruft, was noch ansteht, dann relativiert sich der Ärger. Die Körner kann man auch später noch brauchen.

Gornergrat: Über 2 Stunden statt 33 Minuten wie die Bergbahn

Von Sunnegga ging der Weg dann wieder bergab um uns auf den nächsten Gipfel, den Gornergrat auf über 3100 Meter zu führen. Aufgrund der Steigungen und Höhenlage wurde aus Trailrunning “Trailwandern”.

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Über 2500 Metern laufen auf Flachstücken nicht mehr viele der Teilnehmer. Kräfte und Luft sparen ist angesagt.
Kurz vor dem Gornergrat dann Gletscherblick bei Traumwetter. Wenige Hundert Meter weiter ein Zielbogen auf 3135 Metern oben auf dem Gornergrat. Es war aber kein echter Zielbogen sondern eine Sonderwertung. Der erste Läufer hier oben hat einen Preis bekommen. Für mich gab es nur noch Beifall der Zuschauer und ein traumhaftes Panorama. Leider hat man kaum Zeit die Eindrücke richtig aufzunehmen.
Die Beine waren noch gut. So konnte es weitergehen.

Riffelsee, Riffelberg, Riffelalp = Downhill

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Nach dem Gipfel ging es parallel zu den Schienen der Zahnradbahn zwischen chinesischen Reisegruppen hindurch bergab Richtung Riffelsee. Der Riffelsee ist eines der meistfotografierten Motive da sich das Matterhorn in ihm spiegelt.

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Auch für dieses Bild zu geniessen hatte ich zu wenig Zeit. Weiter ging es über schöne schmale Trails wieder Richtung Tal. Vorbei an der Bergstation Riffelberg zur Riffelalp.
An der Riffelalp gibt es ein 5 Sterne Hotel welches über die höchste Tram der Welt mit der Bergbahn verbunden ist. Leider habe ich während des Laufs weder das Hotel noch die Tram gesehen. Nicht zu stürzen hatte Priorität.

Ein Stück weiter der nächste Verpflegungspunkt. Ab hier bekamen wir dann Gesellschaft von den Läufern der 30km Strecke.Die Läufer der beiden Strecken laufen ab hier die gleiche Strecke bis ins Ziel
P1030206Ich war noch versorgt und lief direkt weiter.
Zeit sparen und nicht unnötig stehen bleiben. Nach einigen fast flachen Kilometern folgte dann ein sehr technischer Downhill der mich viel Zeit gekostet hat und mir wieder mal klar gemacht hat, dass das nicht mein Gelände ist. Ich laufe sehr gerne in den Bergen aber im Vergleich zu den Spezialisten fühle ich mich doch wie ein Anfänger.

Surprise Surprise

Nach vielen Felsspalten, Wurzeln, Stufen und Rutschpassagen dann endlich wieder ebener Boden. Wieder “unten” auf 2000 Metern ging es parallel zum Gletscherabfluss des Gornergletschers Richtung Furi. Nach einer Kurve und einem kurzen Gefälle in einem Wäldchen dann die nächste Überraschung. Eine 100m lange Hängebrücke…. 90 Meter über dem Fluss.

P1030210Hängebrücke an sich reicht schon, wenn dann noch einige Läufer gleichzeitig versuchen schnell über die Brücke zu kommen schwingt die leider gewaltig. Im Rennen denkt man da nicht groß darüber nach und versucht nur die Brücke hinter sich zu bringen. Am nächsten Tag habe ich aber einige Wanderer gesehen die dort verweigert haben.
Leichter ist es wenn man keine Zeit hat darüber nachzudenken ;-).

Schwarzsee: Leider Zeit um schwarz zu sehen

Von der Hängebrücke ging es über Weiden und durch ein längeres Waldstück wieder über die Baumgrenze nach oben und von dort in Serpentinen hinauf zum nächsten Verpflegungspunkt beim Schwarzsee.
Meine Beine fühlten sich mittlerweile nicht mehr gut an und mein Schweinehund fing an meine Motivation zu untergraben. P1030218Das bei gerade mal etwas mehr als 25 Kilometern. Bis zum Schwarzseehaus und dem nächsten Verpflegungspunkt waren es dann 29 km und 2500 Höhenmeter.
Vom Schwarzsee hat man wieder einen herrlichen Blick Richtung Matterhorn. Am Verpflegungspunkt war es ziemlich chaotisch. Die Helfer schafften es nicht schnell genug die Getränke bereitzustellen und es hatte sich ein Stau gebildet. Normalerweise hätte mich das ziemlich aufgeregt. Am Samstag hatte ich mich aber bereits einige Hundert Meter vor dem Verpflegungspunkt entschieden, dass das heute meine Ziellinie sein sollte. Die Beine waren nicht gut, das gesamte Befinden eher schlecht und ab dem Punkt an dem der Schweinehund übernommen hatte war ich deutlich langsamer geworden.
Der Kopf gewinnt und der Kopf verliert. Der Körper folgt nur.

Furi – Trift – Zermatt

Ab dem Schwarzsee führt die Strecke wieder bergab nach Furi, von dort über weitere 1000 Höhenmeter noch näher ans Matterhorn nach Trift. Dort ist auch der letzte Verpflegungspunkt. DSC03634Dann geht es in einem großen Bogen weitgehend bergab bis ans andere Ende von Zermatt und über Wiesen wieder zurück bis zum Ortszentrum. Ein letzter Downhill über Asphalt führt in die verstopfte Fußgängerzone und auf die Zielgerade wo die Finisher sich ihren wohlverdienten Applaus abholen dürfen.

Hätte ich nicht durchlaufen können ?

Doch, sicher irgendwie wäre ich ins Ziel gekommen. Mir ging es nicht gut und die Beine waren müde aber ich denke ich hätte es geschafft wenn ich es versucht hätte.
Warum habe ich es dann nicht versucht und warum warum bin ich überhaupt in die Situation gekommen ? Ich vermute, dass es daran lag, dass ich letzte Woche zu wenig das Training reduziert hatte und nicht genug regeneriert war. Es wäre sicher möglich gewesen mich ins Ziel zu schleppen aber ich will in 4 Wochen in USA in möglichst guter Form an den Start gehen und da macht es mehr Sinn diese Woche nochmal gut zu trainieren und nicht die ganze Woche die Nachwirkungen des letzten Wochenendes zu verarbeiten.

Ich denke es war die bessere Entscheidung auch wenn es sich komisch anfühlt sich am Verpflegungspunkt 1 Stunde in die Sonne zu setzen und dann mit der Bergbahn ins Ziel zu fahren. Das war für mich auch ein neues Erlebnis.
In Zermatt bin ich dann wenigstens noch 1,5 Kilometer ausgelaufen….

Fazit

Der Matterhorn Ultraks ist eine anspruchsvolle Veranstaltung in einer traumhaften Umgebung. Der Ort, die Atmosphäre und die Strecke lohnen sich. Bei gutem Wetter ein wirkliches Erlebnis. Bei schlechtem Wetter sicher grenzwertig. Ich war am Sonntag noch auf einem Teil der Strecke bei Regen und Wind. Bei solchem Wetter sind lange Regensachen und Handschuhe Pflicht !
Die Organisation der Verpflegungsstände war im Vergleich zu meinen bisherigen Erfahrungen in der Schweiz enttäuschend. Das geht besser !

Spaß gemacht hat es trotzdem 🙂

DSC03663Generell ist Zermatt ein teures Pflaster und man sollte einen etwas größeren Geldbeutel einpacken aber es lohnt sich !

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