Sandy – Ein ganz besonderer Lauf

Das war heute ein ganz besonderer Lauf – Meet Sandy. Auch nach über 20 Jahren in meinem Läuferleben gibt es noch Situationen die ich so noch nicht erlebt habe und die deswegen auf Dauer in Erinnerung bleiben. Heute war mal wieder ein Tag für so eine besondere und dauerhafte Erinnerung.

Essaouira

Ich bin in Essaouira in Marokko einem alten Städtchen mit einem tollen Hafen und einer Festung. Teile von Game of Thrones wurden hier gedreht. Alles ist bunt und lebhaft und große Mengen von Einheimischen und Touristen schieben sich durch die Gassen der Medina.
Für mich ist es heute der vorletzte Trainingstag vor dem Marathon des Sables 2016. Heute und morgen will ich hier noch ein paar Kilometer am Strand machen. Mich etwas akklimatisieren und mich noch etwas an das Laufen im Sand gewöhnen, bevor es dann in Richtung Wüste weitergeht.

Sandy – Ein ganz besonderer Lauf

Eigentlich sollte es ein ganz normaler Lauf am Strand entlang werden. Doch nach etwa 40 Minuten änderte sich das heute. Als es passiert bin ich etwa 6 km weg von der Stadt. Weit und breit kein Mensch, geschweige denn ein Dorf. Nur Sand und Meer. Und plötzlich 200m vor mir ein mittelgroßer Hund. Als Läufer habe ich in den letzten Jahren so meine Erfahrungen mit Hunden gemacht und gelernt, dass es meistens die beste Lösung ist, ihnen einfach zu zeigen, dass man kein Interesse an Kontakt hat. Also gesagt, getan. Direkt umgedreht und den Rückweg angetreten. Der Hund hatte mich noch nicht entdeckt.
Das änderte sich aber ziemlich schnell. Und die Reaktion war wesentlich deutlicher als ich das erwartet hatte. Der Hund sprintete sofort los in meine Richtung. Ich hatte gerade noch Zeit ein paar Steine aufzuheben und mich auf den Angriff vorzubereiten. Weit und breit kein Stock, den ich als Waffe benutzen gekonnt hätte. Dann war er oder besser gesagt sie auch schon da und bremste einige Meter vor mir ab.
Strand von Essaouira Sand der HundIch will sie ab hier mal Sandy nennen. Sie hat nicht gebellt und wirkt auch nicht aggressiv. Reagiert aber auch nicht im geringsten als ich sie anschreie, dass sie sich verziehen soll. Sie schaut zwar in die Richtung in die ich sie schicken will, mehr aber auch nicht. Essaouira, ich habe ein Problem…. Die Hundedame wirkt nicht unfreundlich macht aber auch keine Anstalten sich wieder auf den Weg zu machen und ich habe noch 4 km bis zu den ersten Kitesurfern. 4 km bis zu den Vorposten der Zivilisation. Also gehe ich los. Meine Steine behalte ich vorsichtshalber weiter in der Hand. Irgendwie traue ich der Dame nicht. Sandy folgt mir brav mit wenigen Metern Abstand. Wir gehen Gassi. Nur wer mit wem frage ich mich….. Momentan habe ich keine andere Wahl. Insgesamt klappt das gut mit uns und auch Sandy scheint damit einverstanden zu sein. Wenn ich gehe folgt sie mir mit wenigen Schritten Abstand. Wenn ich stehen bleibe legt sie sich hin. Tolles Spiel !
Sandy liegt am StrandWenn ich anfange zu joggen ist das Spiel plötzlich vorbei und sie wird sauer. Bellt, wirkt plötzlich aggressiv und kommt meinen Waden sehr nahe. Zum Glück beißt sie nicht aber so ist das kein Spaß mehr. Obwohl ich Hunde mag muss ich jetzt die Spielregeln zu meinen Gunsten abändern. Meine Steine kommen zum Einsatz. Scheinbar kennt sie auch das Spiel, denn sie vergrößert schnell den Abstand zu mir und kann meine Reichweite sehr gut einschätzen. Natürlich will ich sie nicht treffen aber beißen lassen will ich mich auch nicht. Wenn ein Stein zu nah bei ihr einschlägt vergrößert sie den Abstand ein wenig aber nur so viel, dass ich sie nicht treffen kann. Und nur so lange bis ich versuche loszulaufen. Dann geht die Jagd wieder los…
Sandy jagd Jogger am Strand EssaouiraDie Steine halten sie auf Distanz aber wirklich vorwärts komme ich so auch nicht. Sie behält mich immer im Blick. Mal verschwindet sie hinter einer Düne, mal hat sie 100m Rückstand aber sie achtet ganz genau darauf ob ich wieder loslaufe. Gehen und ständig nach hinten sichern verzögert die Dauer für den Rückweg enorm. Als ich wegen einer weiteren Düne aus ihrem Blickfeld bin laufe ich wieder ein Stück und komme fast bis an einen Pickup um den sich 3 weitere Hunde jagen. Ihr Herrchen pfeift sie aber sofort zurück als sie mich entdecken. Danke. Noch 3 wäre dann wirklich ungemütlich geworden. Damit ich mich nicht zu wohl fühle taucht Sandy auch wieder auf. Deutlich hinter mir dafür wieder im Galopp. Sie verfolgt mich noch aber nicht mehr ganz so zielgerichtet. Als sie etwa 150 Meter nach mir den Pickup erreicht scheint sie eine neue Fährte gefunden zu haben und ich verliere sie aus dem Blickfeld.
Zeit wieder zu laufen. Laufen, sichern, laufen und nochmals sichern. Ich komme an ein paar grillenden Hippies vorbei. Perfekt. Die nächste Ablenkung für Sandy. Die Steine brauche ich jetzt hoffentlich nicht mehr. Ich komme immer wieder an einzelnen Leuten und Unmengen Möwen vorbei aber die Hundedame kann ich nicht mehr sehen. Scheinbar hat sie eine bessere Beschäftigung gefunden als Jogger zu jagen. Bis an das Ende des Strands schaue ich mich trotzdem immer wieder um aber sie bleibt verschwunden.

Die Jagd ist vorbei Sandy

Bis jetzt ist mir nicht klar ob sie nur Gesellschaft wollte und ich deswegen nicht laufen sollte oder was das heute war. Aggressiv war sie nur wenn ich versucht habe zu laufen. Vielleicht hat das ihren Jagdinstinkt geweckt. Auf jeden Fall war das ein ganz seltsamer Lauf und es ist wieder eine ganz besondere Lauferinnerung mehr von der ich morgen noch einigen Muskelkater im Arm haben werde.

War schön dich getroffen zu haben Sandy 🙂

4 thoughts on “Sandy – Ein ganz besonderer Lauf

  1. Werner Oster

    Hallo Thomas,
    wohl auf den Hund gekommen! aber Mann oder ( Hund ) sieht sich immer zweimal.Sieht doch ganz harmlos und nett aus der kleine,wollte sicher nur mit der Wade spielen. Gruß und lass dich nicht. …. Werner

    1. ThomasThomas Post author

      Hallo Werner,

      kann man so sagen. Ob ich sie nochmal sehe habe ich so meine Zweifel.
      Heute laufe ich nicht mehr bis dahinter und morgen geht es schon wieder zurück nach Marrakesch.
      Bin froh, dass die Wade noch heile ist. Nett hat sie meistens schon gewirkt 🙂
      Gruß
      Thomas

  2. René

    Hi Thomas,
    lustige Geschichte. Ich kenne das ja nciht anders als das dir die Leute am Rockzipfel hängen. Bist halt ein gefragter Mann. Dein Charme kann’s ja kaum gewesen sein (Hahaha).
    Ich hoffe dir geht’s gut.
    schöne Grüße aus Minga.

    1. ThomasThomas Post author

      Hi, war bestimmt der Rock 😉 Am Tag danach war es ein männlicher Hund. Friedlich aber auch 3 Kilomter als Geleitschutz dabei. Gruß zurück aus Ouarzazate.

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