Trail Römische Weinstrasse – ein traumhafter Lauf in Leiwen an der Mosel

Am letzten Wochenende ging es für mich an die schöne Mosel zum Trail Römische Weinstraße. Die Anfahrt von München am Samstagmorgen war trotz der Unmengen von Baustellen staufrei und kein wirkliches Problem. Interessant wurde es erst kurz vor Leiwen, meinem Zielort. Die Zufahrtsstraße nach Leiwen wird gerade saniert und war nicht befahrbar. Nach einer kleinen Odyssee über Trittenheim habe ich den Weg zur Startnummernausgabe dann doch noch gefunden.
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Dieses Jahr war Leiwen der Austragungsort für den Trail Römische Weinstraße. Veranstalter Markus hatte mit seinem Team am Sonntag zwei Läufe über 31 km und 68 km in das Leiwener Umland gezaubert. Um das Wochenende richtig zu nutzen war es möglich zusätzlich zu dem 68 km Lauf am Sonntag einen 34 km Lauf am Samstag zu laufen und damit 3 Qualifikationspunkte für den UTMB (Ultra Trail du Mont Blanc in Frankreich) zu sammeln. Für mich sollte es ein weiterer Vorbereitungslauf auf dem Weg in die USA werden und ich entschied mich deshalb für die 31km Strecke mit (nur) 1000 HM.
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Leiwen wurde 802 erstmals urkundlich in einer Schenkungsurkunde von Karl dem Großen zugunsten des Erzbischof Weomad von Trier erwähnt. Auf der Zummethöhe oberhalb von Leiwen soll schon Kaiser Augustus seiner Frau Livia eine prunkvolle römische Villa mit traumhaften Blick über die Trittenheimer Moselschleife gebaut haben. Bodenfunde aus der Römerzeit belegen das. Später soll dann aus dem Namen Livia der heutige Ortsname Leiwen entstanden sein.
P1030118 Die 68 km Läufer hatten 6:00 Uhr als Startzeit. Wir mussten zum Glück erst um 8 Uhr los und hatten etwas länger Zeit zu schlafen. Von der Sporthalle aus führte die Strecke etwas durch den Ort und dann über sehr gemäßigte Steigungen in die Weinberge und von dort hinab zur Mosel. Nach der ersten Moselbrücke ging es die Thörnicher Ritsch hinauf. Der erste Vorgeschmack was uns heute noch erwarten würde. Zwischen den Reben schlängelte sich der Weg den Hang hinauf und die Steigung hatte es in sich. Obwohl nur 1000 HM auf dem Programm standen fing das schon gut an. Zusätzlich zur Steigung bekam ich im ersten Hang auch schon einen Eindruck wie warm es an diesem Vormittag werden sollte. Irgendeinen Grund muss es ja geben warum man in einem so unwirtlichen Gelände Wein anbaut. Dieser Hang ist definitiv von der Sonne verwöhnt. Auf dem Pfarrfest am späteren Sonntagabend haben wir noch erzählt bekommen, dass diese Lagen nicht von Maschinen geerntet werden können und die Weinlese auch heute noch traditionelle Handarbeit ist.
P1030125Laut Wikipedia beträgt der Jahresniederschlag in Leiwen 724mm und der meiste Niederschlag fällt im August. An diesem Sonntag war davon nichts zu sehen. Strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen am Himmel und die Temperaturen stiegen immer weiter Richtung 30 Grad Grenze. Vielleicht nicht ganz so warm aber so in etwa stelle ich mir ideales Trailwetter vor.
Während des Laufs kreuzten wir immer wieder den Moselsteig mit tollen Ausblicken. Leiwen ist auch für den Moselsteig einer der Etappenorte. Die Strecke führte uns in stetigem Auf und Ab Richtung Trittenheim. Mit teilweise über 30% Gefälle ging es zwischen den Reben hinunter und über endlos erscheinende Treppen wieder hinauf. Nach 16 km dann wieder eine Moselbrücke und danach frisches Wasser, Tomaten, Gels und weitere Stärkungsmittel unterhalb der Weinlage Trittenheimer Apotheke. Bei mir lief es noch gut und Schmerzmittel waren nicht auf meiner Wunschliste.
P1030127 Ab km 18 bekam ich dann Begleitung von Philip aus Mainz. Unser Tempo passte ganz gut und so wollten wir erst einmal zusammen weiterlaufen. Es ging jetzt etwas mehr durch den Wald und teilweise auf richtig flowigen Trails bergab bevor es dann felsig und später, wieder in den Weinbergen, sogar nach schieferartigem Gestein aussah. Da es zwischendurch auch immer wieder mehr oder weniger lange „Transferstücke“ über Asphalt gab bekamen wir die komplette Palette an Bodenbeschaffenheit geboten.
Bei km 22 kamen wir nach einer längeren Schleife nochmal an der gleichen Verpflegungsstelle vorbei die wir diesmal in der anderen Richtung durchlaufen durften. Da der Verpflegungspunkt fast auf dem Niveau der Mosel lag gab es danach nochmal einen längeren Anstieg bis auf die Zummethöhe. Die Reste der römischen Villa habe ich nicht gesehen aber ein großes Hotel. Kurz nach der Zummethöhe hatten wir dann den Streckenkilometer 26 erreicht und Philip war froh, dass ich das Streckenprofil noch halbwegs im Kopf hatte. Ab hier waren nämlich keine Steigungen mehr auf unserem restlichen Weg zu erwarten. Es lagen nur noch 5 km Downhill vor uns. Da wir an der letzten Steigung etwas unseren Kilometerschnitt „ruiniert“ hatten einigten wir uns das Tempo im Gefälle nochmal etwas anzuziehen. Unser Ziel war seit Kilometer 20 eine Zielzeit von unter 3 Stunden.
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Nach einem letzten wunderschönen Blick auf Leiwen und die Mosel sind wir dann wieder im Ort angekommen. Eine Markierung auf dem Boden zeigte uns die Richtung zum Ziel und 50m vor uns tauchte überraschenderweise noch eine Läuferin auf die wir natürlich bis zum Ziel einholen wollten. Das war ein Fehler denn scheinbar war sie eine joggende Begleiterin mit Laufrucksack und keine Läuferin aus unserem Rennen und so übersahen wir eine Markierung zum Ziel. Wir haben uns als Finale also noch im Ort verlaufen und sind aus der falschen Richtung in den Zielkanal gekommen. Dank den schnellen letzten 5 Kilometern hat es für uns noch zeitgleich für eine Zeit unter drei Stunden gereicht. Als Bonus wurde ich 5. in der Gesamtwertung und 1. in der Altersklasse. Danke an Philip für die sehr nette Begleitung und die 1/100 Sekunde Rückstand im Ziel 😉P1030138
Fazit:
Der Trail Römische Weinstrasse ist ein wirklich schöner Lauf. Für einen Trail hat die Strecke zwar einen ziemlich hohen Asphaltanteil entschädigt aber mit toller Streckenführung, wunderschönen Blicken ins Moseltal und sehr knackigen Anstiegen, Gefällstücken sowie allen Varianten von Untergrund. Leider waren einige Streckenmarkierungen böswillig entfernt worden bzw. schwer zu deuten. Die Strecke macht wirklich Spaß und ist eine schöne Abwechslung zu den Trails in den Alpen. Nach dem Lauf war ich noch mit ein paar Läufern beim Leiwener Pfarrfest welches einige Hundert Meter weiter auf dem Dorfplatz stattfand. Leider waren wir scheinbar die einzigen Läufer die den Weg dorthin fanden und dementsprechend herzlich empfangen wurden. Vielleicht wäre es für das nächste Jahr eine Idee die beiden Veranstaltungen zu kombinieren und den Start- / Zielbereich auf das Festgelände zu verlegen. So hätten die Läufer ein paar Zuschauer mehr, das Fest eine zusätzliche Attraktiont und sicher im Anschluss auch ein paar hungrige und durstige Gäste mehr.
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