Wieder 41 Kilometer. MDS 2016 – Teil II

Die zweite Etappe

Der vierte Tag in der Wüste, wieder 41 Kilometer und der Start der zweiten Etappe Leider auch schon der erste Abschied. Volker, unser Routinier, muss uns schon um 6 Uhr morgens verlassen. Aufgrund seiner Knieprobleme muss er heute schon wieder zurück nach Ouarzazate. Ein letztes Frühstück im Camp und dann geht es für ihn per Bus zurück in die Zivilisation. Schade ! Ich hätte mich gerne noch länger mit ihm unterhalten. Aus seinen zehn Jahren beim Marathon des Sables hätte er uns sicher noch ein paar interessante Geschichten erzählen können. Für alle, anderen, die den Tag gestern überstanden haben, gibt es heute wieder 41Kilometer durch Sand und Geröll für uns.

wieder 41 Kilometer_MDS 2016 Teil II_Volker geht

Da waren es nur noch 7

In Zelt 20 sind wir jetzt noch zu siebt, die auf die zweite Etappe gehen. Die Strecke führt uns heute von Erg Znaigui nach Oued Moungarf. „Erg“ bedeutet Dünengebiet und „Oued“ steht für ein Wadi, also einen ausgetrockneten Flusslauf. Da wir gestern am Ende der Etappe schon durch das Dünengebiet gelaufen sind und unser Camp direkt daneben aufgebaut war, starten wir heute auf festem Untergrund. Um 08:30 Uhr stehen wir wieder an der Startlinie und hören Highway to Hell bevor die Hubschrauber wieder über uns hinweg donnern und es zum zweiten Mail auf die Reise geht.

wieder 41 Kilometer_MDS 2016_Samir Akhdar am Start

Wieder 41 Kilometer

Bis zum ersten Checkpoint geht es über eine Art gerölligen Weg, dann durch sehr kleine Dünen und wieder durch ein Wadi. Die hohen Dünen bleiben uns erst mal erspart. Die Strecke ist flach und gut zu laufen. Auch die Temperatur lässt sich heute noch gut aushalten. Dafür haben wir wieder den Gegenwind und davon mehr als genug. Das ist der Nachteil. Ohne Wind wird die Hitze grausam, mit starkem Gegenwind fällt es schwerer zu laufen. Mir ist der Gegenwind lieber.
Weiter geht die Strecke vorbei an am Dorf Taouz und einer Ruine. Danach biegen wir ab Richtung Westen in ein weites Tal ab und kommen bald auf eine felsige Ebene wo sich der, bis jetzt weitgehend sandige Untergrund, total ändert. Als ich vor zwei Jahren beim MDS hier war, war die Temperatur wegen Windstille kaum auszuhalten. Diesmal ist es zwar windig, dafür kann ich die Landschaft mehr geniessen.

wieder 41 Kilometer_MDS 2016 Teil II_Volker geht

Wir sind nicht die einzigen Läufer hier

Das Gelände wechselt immer wieder zwischen sandigen Wegen und leichtem Geröll bevor wir kurz vor dem zweiten Checkpoint endlich wieder in kleine Dünen kommen. Hier sind auch ein paar wilde Kamele unterwegs die sich fragen werden, was da für eine seltsame bunte Herde Läufer heute unterwegs ist.

wieder 41 Kilometer _MDS 2016 Teil II_Kamele

Unterschiedliche Renntaktiken

An diesem Tag treffe ich zum ersten Mal auf der Strecke auf Nadine und Semjon. Sie gehören auch zu der winzigen Gruppe der Deutschen Starter. Im Camp sind sie im Nachbarzelt. Sie laufen schneller als ich, haben aber eine komplett andere Renntaktik und machen an jedem Checkpoint eine Pause. Ich laufe etwas langsamer, versuche aber die Pausen in den Checkpoints so kurz wie möglich zu halten. Das wird dazu führen, dass wir uns im Laufe der Woche noch oft auf der Strecke und an den Checkpoints treffen werden.

wieder 41 Kilometer_MDS 2016 Teil II_Nadine und Semjon Gill

Kleine Fans an der Strecke

Weiter geht es über eine weite sandige Ebene mit Kamelgras bevor an einer kleinen Siedlung eine lange steinige Steigung zum Checkpoint 3 beginnt. Am Dörfchen Jdadid sind wir Läufer wieder das Highlight für die Kinder. Sie wollen abgeklatscht werden und hoffen, dass sie vielleicht den ein oder anderen Riegel oder ein paar Bonbons geschenkt bekommen. Den Rest des Jahres ist hier vermutlich sehr wenig los.
Wir müssen weiter. Das Geröll wird noch grober je näher wir dem Checkpoint kommen. Dann gibt es wieder Wasser. Wahnsinn, wieviel man hier verbraucht. Am Checkpoint sind meine Flaschen immer fast leer.

wieder 41 Kilometer_MDS 2016 Teil II_steinige Ebene

Jebel El Abeth

Die letzte Flasche für heute. Nochmal 1 1/2 Liter. Wieder beantworte ich die Frage ob ich o.k. bin mit „Oui“. Vor mir liegt der letzte Teil der Steigung auf den Jebel „El Abeth“. 15% Steigung im tiefen Sand. Auch diese Steigung kenne ich schon von vor zwei Jahren und freue mich deswegen auf den tollen Downhill im Tiefsand, der mich hinter  der Kuppe erwartet. Kurz vor der Kuppe treffe ich auf Isis aus Mexiko. Sie läuft ein sehr ähnliches Tempo wie ich. Wir werden uns deswegen im Laufe der Woche noch oft auf der Strecke treffen.

wieder 41 Kilometer_MDS 2016 Teil II_Isis aus Mexiko

Die letzten 5 Kilometer bis zum Ziel

Weitgehend ist es Geröll und leicht ansteigend. Teilweise ist es schwer den Weg zu erkennen. Es gibt viele kleine Büsche und Bäume und das Läuferfeld hat sich mittlerweile sehr in die Länge gezogen. Viele Läufer sind nicht mehr zu sehen. Trotzdem schaffe ich es, mich nicht zu verlaufen.Endlich kommt der Zielbogen in Sicht. Nur noch etwa 3 Kilometer leicht bergabliegen noch vor mir. Viel Sand gibt es nicht mehr. Ich laufe auf Peter aus Sidney auf. Ihn habe ich vor zwei Jahren in Marokko kennengelernt und letztes Jahr beim Grand2Grand ultra (G2G ultra) in USA wieder getroffen. Selbst bei der ständig steigenden Zahl von Ultraevents trifft man immer wieder bekannt Gesichter. Die Welt ist klein..

Auch heute alles voll Sand

Endlich im Ziel. Der “Zielbogen” sieht auch heute wieder sehr seltsam aus. Der Wind setzt ihm stark zu. Entsprechend sieht auch das ganze Camp aus. Die Zelte flattern enorm im Wind und der Teppich in unserem Zelt hat etwas von einem Sandkasten. Mir ist das momentan egal. Liegen ist die Devise. Beine hoch. Wieder 41 Kilometer geschafft.

wieder 41 Kilometer_MDS 2016 Teil II_Teppich ausschüttelnUdo habe ich heute schon an der Ziellinie getroffen. Er muss direkt nach mir ins Ziel gekommen sein und ist wieder unverschämt frisch. Wie macht er das ?
Einige Stunden wird es jetzt noch dauern bis unser Zelt wieder komplett ist. Die anderen fünf sind sicher noch einige Zeit auf der Strecke. Wir können uns erst mal etwas ausruhen und später noch den schönen Sonnenuntergang erleben.

wieder 41 Kilometer_MDS 2016 Teil II - Sonnenuntergang

 

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